Abschied im Kollegium: Brigitte Broich im Interview mit Birgit Majchrzak
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Shownotes
Ein persönliches Abschiedsinterview zwischen zwei Kolleginnen der DSJ. Birgit Majchrzak interviewt Brigitte Broich, die nach 41 Jahren die DSJ verlässt.
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Intro & Begrüßung
[00:08] Dennis Forbes: Moin moin und herzlich willkommen wieder einmal beim Schulcast an der DSJ. Wir setzen unsere Reihe der Abschiede heute leider fort und müssen heute nach so vielen Jahrzehnten Brigitte Broich verabschieden. Ich bin sehr sehr dankbar und glücklich, dass Birgit Majchrzak sich Zeit und Muße genommen hat, ein Abschiedsinterview mit Brigitte aufzunehmen. Die beiden sind die Kolleginnen hier bei uns an der Schule, die die längste Zeit an der DSJ verbracht haben. Was könnte es also Schöneres geben, als diese beiden miteinander im Gespräch anzuhören? Wir wünschen euch viel Spaß beim Anhören und ich hoffe, dass ihr alle noch einmal die Gelegenheit nutzt und Brigitte einen wunderbaren Gruß und alles Gute für die Zukunft wünscht.
Birgit Majchrzak begrüßt Brigitte Broich
[01:01] Birgit Majchrzak: Hallo, herzlich willkommen im Studio, Frau Broich. Ich freue mich sehr, dass Sie heute bei uns beim Schulcast dabei sind und dass wir ein Interview hier haben dürfen.
Der Anfang an der DSJ: Januar 1985
[01:14] Birgit Majchrzak: Sie haben hier im Januar 1985 an der DSJ angefangen, richtig?
[01:19] Brigitte Broich: Richtig. Guten Morgen zusammen.
[01:22] Birgit Majchrzak: Ja, das ist toll. Und ich habe aber gerade eben gehört, dass Sie erst im Dezember 1984 überhaupt in Johannesburg angekommen sind. Wie war denn das? Können Sie uns mal erzählen, wie das überhaupt kam, dass Sie hier an die DSJ verschlagen worden sind von Deutschland? Ist ja ganz schön weit weg.
[01:37] Brigitte Broich: Ja, gerne. Das war also ein reiner Zufall damals gewesen. Ich habe mein Studium in Deutschland abgeschlossen als Grund- und Hauptschullehrerin in den Fächern Deutsch und Religion und in Deutschland gab es über 70.000 arbeitslose Lehrer und mein Onkel sagte zu mir damals: Komm doch mal nach Südafrika, mich besuchen. Und so machte ich mich auf den Weg nach Südafrika und habe dann auch gleich an der Deutschen Schule eine Stelle als Lehrerin im ersten und zweiten Schuljahr bekommen. Und dann habe ich dort unterrichtet bis im Juli 1987.
Habe dann dort fünf Kinder bekommen und habe lange Zeit Pause gemacht mit dem Unterrichten, bis ich danach wieder angefangen habe, als meine jüngste Tochter im zehnten Schuljahr war und dann ging ich über zur Aftercare, hab Aftercare gemacht und das war also sehr auch sehr erfüllend und ich fühlte mich also immer sehr, sehr wohl hier an der Deutschen Schule.
[02:53] Birgit Majchrzak: Boah, das ist ja toll, dann gleich so eine Stelle zu kriegen hier. Das ist ja sehr, sehr spannend eigentlich, diese ganze Sache. Und nach den fünf Kindern dann auch wieder zurückzukommen, das heißt ja, das hat Ihnen an der DSJ auch schon sehr gut gefallen.
Erinnerungen an die frühen Jahre
[03:07] Brigitte Broich: Richtig. Es hat mir sehr gut gefallen. Besonders auch, wie ich aufgenommen wurde von den Kolleginnen. Wir hatten damals 1.550 Schüler an der Deutschen Schule, von der Vorschule bis zur Matrik oder Abitur, weil den Kindergarten, den gab es damals noch gar nicht. Es gab fünf Parallelklassen und die Kollegen, mit denen ich damals anfing, die standen also wunderbar hilfsbereit zur Seite. Wir haben zusammen Bücher eingeschlagen, Hefte beschriftet. Das war also wunderbar und so konnte man sich direkt hier richtig wohlfühlen.
[03:46] Birgit Majchrzak: Oh ja, das ist ja toll. Und was waren denn so die Eindrücke in diesen ganzen Jahren? Denn ich höre schon, das war ganz, ganz positiv gewesen auch schon am Anfang, ne?
[03:55] Brigitte Broich: Ja, direkt von Anfang an.
[03:57] Birgit Majchrzak: Ich denke, dann in den Jahren, da waren ja dann sicherlich ganz, ganz viele verschiedene Eindrücke, die Sie auch hier gesammelt haben. Können Sie vielleicht ein bisschen davon erzählen, wie das so war?
[04:07] Brigitte Broich: Ja, also viele Erlebnisse mit Schülern und mit Kollegen und es war leider auch immer ein Kommen und Gehen. Wir haben Freundschaften geschlossen, wir waren für ein paar Jahre zusammen. Wir hatten damals auch Spielgruppen, wo die Kinder klein waren und leider sind halt die Kollegen immer nach ein paar Jahren — haben sie die Deutsche Schule wieder verlassen, um auf andere Wege zu gehen, wieder nach Deutschland zurück oder in andere Städte. Und das war ein bisschen schade, aber mit manchen Kollegen besteht immer noch ein Kontakt seit 1985 und darüber freue ich mich auch sehr.
Veränderungen über die Jahrzehnte
[04:44] Birgit Majchrzak: Ja, vielen Dank. Ich habe auch so gehört, am Anfang, als Sie hier angefangen haben, da gab es 1.500 Schüler — ja, eine Menge — und keinen Kindergarten. Das kann man sich ja jetzt kaum noch vorstellen. Da hat sich ja in diesen Jahren ganz bestimmt total viel geändert. Was gibt's denn da so alles für Änderungen?
[05:04] Brigitte Broich: Also ganz viele Änderungen gibt es, glaube ich, nicht. Die größte Änderung ist, dass wir einen Kindergarten dazu gewonnen haben. Es gab vorher nur die Vorschule. Wir hatten auch in der Grundschule ungefähr 29 Kinder pro Klasse und da muss ich sagen, das hat sich natürlich geändert. Die Klassenstärke ist wesentlich geringer heutzutage.
Dann gab es, wie gesagt, die Gebäude vom Kindergarten und auch von den Regentröpfchen, die gab's noch nicht. Da oben war mehr oder weniger das Haus des Hausmeisters, Herrn Fränkler, gestanden und zuerst wurde dann der Kindergarten gebaut und später dann wurden die Regentröpfchen ergänzt.
Soweit ich mich erinnern kann, gab es aber einen Tuckshop und die Kinder selbst im ersten Schuljahr hatten einen Tuckshop-Tag, wo sie halt zum Tuckshop durften, der natürlich wesentlich kleiner war als heute. Ansonsten gab es auch noch keinen Spielplatz. Heute haben wir ja einen fantastischen Spielplatz da unten mit vielen Geräten und damals haben die Eltern meiner Klasse beim Schulbasar gesammelt. Wir hatten damals einen Parcours, einen Fahrradparcours und da wurde gesammelt, um einen Spielplatz an der Deutschen Schule aufzubauen. Und das war dann der erste Spielplatz. Es gab noch nicht die ganzen Bäume da unten und keine Pavillons. Es gab also nur Wiese. Und das war dann unser erster Spielplatz und die Kinder durften spielen und nach jeder Pause musste jede Klasse abwechselnd den Müll aufsammeln. Das war auch eine Pflicht. Ich weiß nicht, ob das heute noch so übernommen würde.
[06:49] Birgit Majchrzak: Na, herzlichen Dank. Das klingt wirklich sehr, sehr spannend. Kann man sich kaum vorstellen, wie das genau ausgesehen hat ohne Spielplatz und die ganzen Sachen, die man heute so kennt an der Deutschen Schule. Das war ja schon ziemlich anders. Da haben wir eigentlich heute richtig Glück, dass wir diese ganzen vielen Geräte haben und die verschiedenen Möglichkeiten.
[07:12] Brigitte Broich: Ja, genau. Auch mit dem Basar, ne? Der Basar — ich glaube, 25.000 Menschen kamen zum Basar. Es war so ein Gedrängel, dass man überhaupt nicht mehr durch die Gänge kam. Und dann danach wurde das halt reduziert mit der Anzahl der Teilnehmer, weil es war so unmöglich, überhaupt durch die Gänge zu kommen, wo die Stände aufgebaut waren, weil eine Unmenge von Leuten den Basar besucht haben und nicht nur von der Deutschen Schule, auch von außerhalb.
[07:44] Birgit Majchrzak: Ja, das ist ja toll. Der Basar ist ja immer noch ein Hit. Aber das war ja dann auch richtig gut, denn dann war das ja auch als Fundraiser dann sicherlich sehr erfolgreich und dann hat man ja damit wahrscheinlich auch geschafft, so etwas wie einen Spielplatz einzurichten.
[07:56] Brigitte Broich: Richtig, richtig. Mit sehr vielen Besuchern.
Besondere Momente und Erinnerungen
[08:02] Birgit Majchrzak: Ja, das glaube ich. Vielen Dank. Toll. Vielleicht, wenn man so jetzt diese ganzen Sachen hört, gibt's da vielleicht irgendwie eine Sache, die Ihnen so im Kopf hängen geblieben ist? Oder auch vielleicht, wo Sie sagen, in 10 Jahren, wenn Sie an die DSJ denken, gibt's da so einen Moment, der Ihnen so in Erinnerung bleiben wird? So ein ganz spezieller Moment?
[08:22] Brigitte Broich: Vielleicht eins vom ersten Schuljahr: Es war so ein kleiner Junge. Wir hatten gerade Mathe gelernt und es ging halt ums Rechnen hoch und runter und die Kinder haben wieder alles vergessen und ich sag: Kinder, ihr habt ein Gedächtnis wie ein Sieb. Und mein kleiner Ruppert aus dem ersten Schuljahr piepst dann von hinten: Ach, Frau Broich, sagt er, ein Sieb wäre ja noch gut, da bleiben wenigstens die großen Brocken hängen.
[08:57] Birgit Majchrzak: Oh je, das ist eine gute Reaktion.
[08:59] Brigitte Broich: Ja, und ich fand, der war so schlagfertig im ersten Schuljahr. Dass das einfach so aus ihm rauskam, fand ich toll.
[09:06] Birgit Majchrzak: Das ist gut. Da freut man sich dann auch und fängt an zu lachen, ne? Wenn jemand im ersten Schuljahr schon so guten Humor auch hat. Ach, sehr schön. Ja, also diese Erstklässler von vor vielen Jahren, da war sicherlich auch schon einiges los, ne?
[09:20] Brigitte Broich: Oh ja. Oh ja.
Abschied nach 41 Jahren & Zukunftspläne
[09:22] Birgit Majchrzak: Aber jetzt nach 41 Jahren tatsächlich an der DSJ werden Sie ja Ende dieses Jahres nun doch die DSJ endgültig verlassen.
[09:30] Brigitte Broich: Ja.
[09:31] Birgit Majchrzak: Das ist ja auch ein ganz schöner Schritt, wenn ich so denke, 41 Jahre, das ist ja mehr als das halbe Leben, ne? Wie ist denn das dann? Was werden Sie denn dann hier vermissen, wenn Sie jetzt gar nicht mehr an der DSJ sind? Aber Sie schauen ja auch sicherlich auf eine schöne Zukunft voraus. Können Sie uns ein bisschen darüber berichten?
[09:52] Brigitte Broich: Ja, also was ich erstmal sehr vermissen werde, sind die Kollegen und die Schüler. Also, die sind mir sehr ans Herz gewachsen und jetzt war ich ja 41 Jahre, erst durch den Lehrerberuf und durch meine Kinder, die alle fünf hier an die Deutsche Schule gingen, sehr verbunden. Und was aber jetzt meine Zukunft betrifft, ich würde sehr gerne weite Wanderungen unternehmen über mehrere Wochen. Darauf freue ich mich jetzt und das ist ein Blick in die Zukunft, der mich jetzt tröstet, die DSJ zu verlassen, weil ich ja doch sehr mit Kollegen und den Schülern verbunden war.
[10:35] Birgit Majchrzak: Ja, das kann ich mir gut vorstellen, das ist ganz klar. Aber ich hoffe, Sie können ja auch noch mal vorbeikommen hier, oder wenn Sie noch im Lande sind, dann der Schulbasar z.B. und andere Gelegenheiten, da kann man sich ja immer noch mal sehen, hoffentlich.
[10:49] Brigitte Broich: Ja. Und auch durch die Kollegen, die die Schule verlassen haben, das war natürlich auch ein bisschen schade. Man baut Freundschaften auf und nach einer Weile bleiben nur noch E-Mails übrig, weil so viele kommen und gehen und das ist natürlich auch schade. Nun bin ich halt auch einer, der geht.
[11:08] Birgit Majchrzak: Ja. Ja, schade. Aber man kann ja dann auch noch in Kontakt bleiben.
[11:11] Brigitte Broich: Ja, natürlich. Das werde ich auf jeden Fall.
Abschiedswort an die DSJ
[11:14] Birgit Majchrzak: Und wenn Sie jetzt nun der DSJ vielleicht noch etwas als abschließendes Wort sagen würden, vielleicht so ein Wunsch mit auf den Weg geben? Gibt's da irgendetwas?
[11:25] Brigitte Broich: Also dadurch, dass ich mich hier immer sehr wohl gefühlt habe, würde ich sagen: DSJ, bleib wie du bist. Die Kollegen, die Schüler, die Verwaltung, alles was dazu gehört. Also, ich kann mir keine bessere Schule wünschen.
[11:44] Birgit Majchrzak: Ja, ganz herzlichen Dank dann, Frau Broich. Das war ja ein sehr spannendes Interview hier. Da habe ich auch vieles neu gehört und ich freue mich auch an alle Zuhörer, dass Sie einfach reinhören hier in den Podcast. Und vielleicht nur noch ein Hinweis: Es gibt ganz viele verschiedene Interviews schon hier im Podcast der DSJ. Hören Sie doch mal rein. Schauen Sie doch mal, was es alles gibt. Da kann man sehr viel Neues einfach hören. Sehr spannend. Und ja, vielen Dank noch mal, Frau Broich, und noch einen wunderschönen Tag und viel Spaß auch noch für die Zukunft, fürs Wandern. Da würde ich gerne mitkommen. Ich wandere auch total gerne.
[12:14] Brigitte Broich: Und dann noch alles Gute.
[12:16] Birgit Majchrzak: Danke schön.
Outro
[12:20] Dennis Forbes: Und das war's. Wir wünschen Brigitte Broich alles Gute für ihre Zukunft und hoffen, dass wir sie bald wieder auch bei uns hier in der Schule sehen. In was für einer Funktion oder zu was für einem Event auch immer, freuen wir uns immer, ihr Gesicht hier bei uns an der Schule zu haben. Brigitte, alles alles Gute und wir hören uns beim nächsten Mal. Das war's vom Schulcast.