Episode 13

Abschiedsinterview mit Tanja Henrichs & Theo Hindelang

20. November 2025 18 Minuten

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Shownotes

Tanja Henrichs, Grundschulleiterin der DSJ, verabschiedet sich nach sechs Jahren. Ein persönliches Gespräch über ihre Zeit in Johannesburg, die Grundschule und was sie mitnimmt.

Kapitelmarken

00:00 — Begrüßung & Einleitung (Theo)

00:44 — Wie fühlt es sich an, nach sechs Jahren zu gehen?

01:25 — Was nimmt Frau Henrichs aus ihrer Zeit mit?

02:36 — Was macht die DSJ-Grundschule besonders?

03:55 — Was würde sie gerne in Deutschland sehen?

05:21 — Was hat sie an der Grundschule vermisst?

06:29 — Veränderungen in der Grundschule

08:26 — Erfahrungen im Ausland & warum Südafrika?

10:38 — Ratschläge für angehende Auslandslehrer

11:33 — Covid-Erfahrungen als Grundschulleiterin

12:53 — Die Zukunft der DSJ in 10 Jahren

14:38 — Besondere Momente und Erinnerungen

15:35 — Nochmal ins Ausland? Wohin?

17:26 — Abschied & letzte Worte

Kapitelmarken sind ungefähre Angaben.

Transkript

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Begrüßung & Einleitung

[00:11] Theo: Also herzlich willkommen beim Schulcast und zwar bin ich heute sehr froh, unsere Grundschulleiterin hier zu haben, die die letzten sechs Jahre in unserer Schule gearbeitet hat und jetzt leider am Ende dieses Jahres zurück nach Deutschland geht, weshalb wir natürlich alle sehr traurig sind. Guten Tag. Ich hoffe, es geht Ihnen gut.

[00:28] Tanja Henrichs: Ja, schönen Dank für die Einladung. Ich freue mich, hier zu sein. Ist ja eine spannende Geschichte, zum Podcast hier zu sein und ja, es ist auch eine bewegende Zeit für mich nach diesen Jahren und insofern mal schauen, was du für Fragen für mich hast heute.

Wie fühlt es sich an, nach sechs Jahren zu gehen?

[00:44] Theo: Sehr schön. Also, um jetzt erstmal anzufangen: Wie fühlt es sich denn jetzt an zu wissen, dass man in drei Wochen oder so ungefähr einfach alles hinter sich lässt und das ganze Leben, das man die letzten sechs Jahre gelebt hat, einfach hinter sich lässt? Wie fühlt sich das an?

[00:59] Tanja Henrichs: Ja, ich habe zu Freunden schon gesagt: so unwirklich. Ich fühle mich momentan, als wäre ich so ein bisschen in so ein Paralleluniversum gelandet, in das ich eigentlich gar nicht wirklich reingehöre. Mein Leben und gedanklich hat wirklich so stark hier in Johannesburg stattgefunden und in Südafrika, dass es sich für mich schon so anfühlt, nicht unbedingt nach Hause gehen, sondern zurück in ein Land gehen, das mir doch ein bisschen fremder geworden ist im Lauf der Jahre.

Was nimmt Frau Henrichs aus ihrer Zeit mit?

[01:25] Theo: Wie viel — was nehmen Sie denn persönlich aus dieser Zeit hier in Johannesburg mit?

[01:30] Tanja Henrichs: Wunderbare Menschen. Südafrika ist mir als Land wahnsinnig ans Herz gewachsen und die DSJ noch mehr. Also tolle Begegnungen mit Menschen hier in der Schule, auch ganz tolle Kinder, so viel Spirit, so viel Leidenschaft für Sachen, so viel Freude am Tun, so viel menschliche Wärme irgendwo auch in der Kinder-Lehrer-, Schüler-Lehrer-Beziehung. Klasse Gespräche in dieser Zeit und Ideen, die explodiert sind.

Ja, und na ja, ehrlich gesagt natürlich auch solche Dinge wie tolles Essen, die Möglichkeit, gut in einem Land zu leben und Menschen kennenzulernen, die offen sind, eine hohe Freundlichkeit, die irgendwo den Umgang miteinander prägt.

Was macht die DSJ-Grundschule besonders?

[02:20] Theo: Ja, schon sehr cool hier, aber natürlich haben Sie so ein bisschen angesprochen — aber wenn wir mal auf die DSJ und natürlich auf die Grundschule eingehen, was macht für Sie denn die DSJ und eben besonders die Grundschule besonders?

[02:48] Tanja Henrichs: Was ich toll finde an der Grundschule der DSJ ist, wie die Kinder aus so vielen verschiedenen Kulturen, Religionen, familiären unterschiedlichen Elternhäusern, Gedanken, einfach verschiedenen Welten kommen und trotzdem so schnell in der freundschaftlichen Beziehung miteinander sind, zusammen lernen, sich austauschen. Wenn man von der Regenbogennation spricht, dann findet sie, glaube ich, wirklich hier bei uns in der Grundschule auf jeden Fall statt, denn es gibt keine Hautfarbe, keine Haarfarbe, keine Augenfarbe, die wir nicht hätten. Und ich glaube, unsere Kinder hier sind wirklich color blind, wenn man das so sagen kann, und sind sehr familiär miteinander. Natürlich wie in jeder Familie gibt's auch Streit und man gerät auch aneinander, aber insgesamt ist es eine ganz tolle Atmosphäre.

Was würde sie gerne in Deutschland sehen?

[03:44] Theo: Ja, das glaube ich. Das merkt man auch bei Schülern, ist einfach sehr offen und alle fühlen sich willkommen, glaube ich. Was würden Sie denn vom Schulischen her gerne in Deutschland sehen, was es hier an der DSJ gibt?

[03:55] Tanja Henrichs: Ich glaube, die Art, einander wirklich anzunehmen und zu akzeptieren, ist vorbildlich hier an der Schule. Was natürlich auch mega ist und wo glaube ich viele deutsche Schulen dran kranken, ist z.B. unser toller Schulhof. Die Kinder haben ja kaum Zeit, sich zu streiten, weil es so viele tolle Sachen gibt, die man machen kann, wenn man das einfach mit so einem geteerten Platz vergleicht, auf dem alle spielen in Nieselregen. Kann man sich schon vorstellen, dass die Stimmung hier nach der Pause und in der Pause besser ist.

Auf jeden Fall ist die Ausstattung der absolute Hammer, die Möglichkeiten auch zu differenzieren, extra Räumlichkeiten zu nutzen, drinnen, draußen, und ich muss sagen, auch in meinem Kollegium so diese Bereitschaft, dieser Spirit miteinander zu arbeiten und neue Wege zu gehen, das sind einfach Sachen, die mir wichtig waren auch in der Zeit, als ich hier war, dass wir doch ein ganzes Stück weiter gegangen sind, in der wir mehr Wert auf Individualisierung legen, in der wir versuchen, deutlich stärker zu differenzieren. Wenn ich das so mit der Anfangszeit hier vergleiche, sind wir, glaube ich, ganz schön weit gekommen.

Was hat sie an der Grundschule vermisst?

[05:05] Theo: Ja, vielleicht können Sie auch einiges von dem, was Sie hier so mögen, vielleicht bisschen nach Deutschland integrieren. Vielleicht ist das ja möglich. Aber gab es auch Dinge, die Sie an der Grundschule vermisst haben, die Sie aus Deutschland kannten?

[05:21] Tanja Henrichs: Was habe ich vermisst? Eigentlich habe ich nichts vermisst. Was mir unheimlich viel Spaß gemacht hat, ist, dass ich die Möglichkeit hatte, viele Dinge auszuprobieren, neue Wege zu gehen. Wenn ich zurückdenke z.B. an die Covidzeiten, wir waren die erste Grundschule oder die erste Schule in Johannesburg, die Hybridlernen quasi gemacht hat. Also, ich wusste noch gar nicht, dass es so heißt, als wir es hier begonnen haben. Und so diese Möglichkeit — man hat mehr Freiheiten als in Deutschland, sich auf den Weg zu machen, um im Sinne von Schülern zu versuchen, neue Dinge zu implementieren und auszuprobieren. Das hat mir viel Freude gemacht.

Ein bisschen habe ich den Austausch vermisst, den ich aus Deutschland kannte, mit anderen Grundschulleitungen von Nachbarschulen oder so, mit denen man z.B. dann auch gemeinsam überlegt hat, wie könnten wir jetzt weitergehen. Das gab's in gewisser Weise mit anderen Schulen weltweit, mit diesem Austausch, aber da steckten die Menschen dann doch in ganz unterschiedlichen Situationen, so dass man nicht unbedingt direkt weiter gemeinsam an der Sache angehen konnte.

Veränderungen in der Grundschule

[06:29] Theo: Genau. Was hat sich denn an der Grundschule verändert, seitdem Sie kamen? Was haben Sie denn so gemacht?

[06:35] Tanja Henrichs: Ja, ich behaupte einfach mal, dass es noch sehr viel frontaler zuging am Anfang, als ich hier angekommen bin. Mehr ein Buchlernen und mehr ein lehrerzentriertes Lernen. Dann kamen diese Covidjahre, die natürlich ein bisschen schwieriger waren, die zu vergleichen mit davor oder danach. In dieser Zeit haben wir aber deutlich stärker mediales Lernen und auch Lernen im Wochenplan oder sowas einbezogen, weil es in einer gewissen Notwendigkeit halt auch alle Kolleginnen und Kollegen, die da etwas zurückhaltender waren, mitgenommen hat, weil es einfach eine Notwendigkeit war.

Und inzwischen arbeiten wir in allen Klassen parallel. Das heißt, egal in welcher Klasse ein Kind ist, es sind dieselben Themen, an denen gearbeitet wird. Das wird stärker differenziert. Wir haben Fördergruppen aus allen Klassen im Jahrgang, in denen gelernt wird. Es gibt viele Formen von Differenzierung intern und extern in den Klassen und da sind wir, glaube ich, schon ein gutes Stück weitergekommen, wenn es Richtung modernes Lernen im 21. Jahrhundert geht.

[07:41] Theo: Ja, ich glaube, da hat schon Corona auch bisschen geholfen. Natürlich war es an sich keine schöne Sache, aber es hat auch einiges vorangebracht. Eben vor allem auch die Digitalisierung.

[07:50] Tanja Henrichs: Ja, am Anfang war es verrückt. Wir sollten also nicht Teams benutzen, sondern wir sollten mit Engage lernen. Das hat sich dann doch als absolut unmöglich erwiesen und dann — es war toll zu sehen, was man alles machen konnte. Also, wenn ich überlegt habe, ich als Sportlehrerin, wie macht man das mit Erst- und Zweitklässlern in Covidzeiten? Wir haben uns so viel ausgedacht: mit Socken jongliert, Sport mit Handtüchern, diverse Dinge, die man doch über den Bildschirm machen kann. Wenn mir einer gesagt hätte, dass ich mal einen YouTube-Kanal haben würde, um Kindern das Buchstabenlernen zu erleichtern. Das waren schon verrückte Zeiten.

Erfahrungen im Ausland & warum Südafrika?

[08:26] Theo: Ja, wenn wir jetzt mal ein bisschen von dem Schulthema wegkommen, war es Ihr erster Aufenthalt im Ausland?

[08:32] Tanja Henrichs: Nein, ich war schon mal sechs Jahre im Süden der USA, in New Mexico, damals als Lehrerin mit meiner Familie gemeinsam und insofern war das die zweite Auslandsverwendung.

[08:45] Theo: Ich meine, dann hatten Sie schon bisschen Erfahrung, aber warum sind Sie dann letztendlich nach Südafrika gekommen? Ich meine, Sie lieben ja auch, Rad zu fahren und ich weiß — Johannesburg ist zumindest von außen betrachtet nicht der beste Ort dafür. Warum?

[08:58] Tanja Henrichs: Sollte man meinen, geht viel mehr als man denkt. Die erste Schule, in der ich tätig war, das war eine deutsche Schule der Bundeswehr. Dort wurde vor allem die Tornado-Ausbildung, also auf dem System Tornado, Piloten ausgebildet und wir haben halt die Kinder der Piloten, das Groundpersonal und alle unterrichtet. Eine sehr, sehr kleine Schule und sehr deutsch. Und was ich damals vermisst habe bei all dem, was auch wunderbar war, war so dieses kulturübergreifende Lernen von Menschen aus verschiedenen Kulturen, Religionen, Sprachen — dieses bunte Leben. Und wenn Johannesburg eins zu bieten hat, dann ist es genau das.

Und das hat mich, muss ich sagen, als die Anfrage kam, auch dazu gebracht, herzukommen. Ich hatte damals drei verschiedene Möglichkeiten, aber das Land ist toll und es ist einfach vielfältig. Und ich habe als junge Frau interessanterweise damals gebrannt für die Anti-Apartheids-Bewegung. Ich hatte Bilder in meinem Zimmer hängen, interessanterweise von Steve Biko z.B. Und dass das echte Leben in diesem Land wesentlich schwieriger ist und dass es sehr viel mehr zu wissen gibt, als das, was in dem deutschen Geschichtsbuch steht, habe ich natürlich auch erfahren.

Ratschläge für angehende Auslandslehrer

[10:16] Theo: Genau. Und ich meine, jetzt haben Sie es gesagt, dass man sehr seinen Horizont erweitert mit dem Ins-Ausland-Gehen und da ist natürlich auch der Lehrerberuf ein großer Vorteil, dass man das einfach so machen kann. Was würden Sie denn Menschen sagen, die vorhaben, vielleicht ins Ausland zu gehen oder vielleicht auch nach Südafrika, aber noch nicht so ganz entschieden haben, ob sie diesen Schritt wirklich gehen wollen?

[10:38] Tanja Henrichs: Ich habe ja im Lauf dieser sechs Jahre viele Menschen gehabt, mit denen ich Interviews geführt habe, wenn es darum ging, ob sie bei uns an die Schule kommen. Und was ich jedem sagen konnte: Vergesst alles, was in einem Reiseführer über Johannesburg steht. Johannesburg ist so viel besser und nicht zu vergleichen mit dem, was dort steht. Und der Austausch mit Menschen von überall, das ist einfach die Bereicherung und ich finde, man nimmt so viel mit aus so einer Zeit im Ausland.

Es ist kein Geheimnis, dass ich sehr traurig war, nach diesen sechs Jahren jetzt zurückgehen zu müssen. Ich wäre gerne noch geblieben. Ich bin für mich ganz hier angekommen. Es ist einfach toll, wie man in eine Kultur eintauchen kann und Teil dieser Kultur werden kann. Wenn mir einer mal gesagt hätte, dass ich totaler Rugby-Fan werden würde und zu vielen Rugbyspielen gehen würde, hätte ich das niemals für möglich gehalten.

Covid-Erfahrungen als Grundschulleiterin

[11:33] Theo: Und ich muss natürlich auch bedenken, der Start war für Sie bestimmt auch nicht einfach, weil da auch schnell Corona kam. Wie war denn so Covid für Sie persönlich, auch jetzt abgesehen von dem Schulischen? Wenn man nicht in seiner eigentlichen Heimat ist und im fremden Land —

[11:48] Tanja Henrichs: Das war wirklich sehr, sehr schwer. Kann ich nicht anders sagen. Meine Eltern waren über 80. Unser Sohn hatte Asthma, der war gerade 18 Jahre alt, der war alleine in eine Wohnung in Deutschland gezogen. Daher ist mein Mann nach Deutschland zurückgegangen mit dem letzten Flug, der möglich war, um einfach unseren Eltern und unserem Sohn zur Seite zu stehen. Und ich war alleine hier, ich kannte keinen Menschen, ich saß in dem Haus, ich hatte noch kein Feuerholz, ich hatte noch keinen Heizlüfter und die waren dann ausverkauft und habe mutterseelenallein in diesem Haus gesessen, bin nicht zurück nach Deutschland gegangen und das muss ich sagen, waren schon extrem schwere Zeiten.

Auch dann die Verantwortung. Ich habe das schon als eine wahnsinnige Verantwortung empfunden, eine Schule, die ich noch gar nicht wirklich kennengelernt habe und durchdrungen habe, umbauen zu müssen, um sie für Covid bereit zu machen. Und da bin ich schon sehr stolz drauf, wie wir durch diese Zeit gekommen sind.

[12:41] Theo: Aber ich glaube, das haben Sie ganz gut hinbekommen. Die Covidzeit haben Sie wirklich super gemacht.

Die Zukunft der DSJ in 10 Jahren

[12:47] Theo: Wie glauben Sie denn, sieht die DSJ oder eben auch die Grundschule in 10 Jahren aus?

[12:53] Tanja Henrichs: Ja, ich denke, wir müssen uns wirklich dem stellen, dass die Schule immer weniger Deutsch im Umfeld hat, dass wir einfach den absoluten Großteil unserer Kinder haben, die aus dem englischsprachigen oder internationalen Umfeld kommen und werden vieles tun müssen, um einfach Deutsch als Sprache attraktiv zu machen und auch gleichzeitig zu akzeptieren, dass es ein weiter Weg ist zu einer Sprache, dass wir nicht perfekt sein können auf dem Weg.

Das müssen wir einfach sehen und müssen die Schule attraktiv machen, auch mit Angeboten jenseits des Deutschen. Ich glaube, Deeper Learning ist ein Punkt, der mir ganz wichtig ist, oder auch in der Grundschule Dinge wie das Programmieren mit reinzubringen, wie Robotik stärker mit reinzubringen. Uns öffnen für neue Formen, für neue Wege, gedanklich flexibel bleiben. Das ist immer, was mir wichtig ist auch in meiner Schulleitungszeit. Ich weiß, einige haben bestimmt schon mal darunter gelitten, dass ich viele Ideen hatte, aber ich denke einfach, es ist wichtig, wenn wir sehen, es geht nicht links, es geht vielleicht auch nicht durch die Mitte, dann muss es halt rechts rumgehen oder andersrum, dass wir nie die Augen vor dem verschließen, was wir ändern können, was gut für unsere Schülerinnen und Schüler ist.

[14:27] Theo: Ja, man weiß auch nie, wie sich die Welt entwickelt. Ich meine, dass die Schule jetzt auch viel weniger Geld hat wegen dem Geld aus Deutschland ist natürlich auch wieder ein großes Problem.

Besondere Momente und Erinnerungen

[14:38] Theo: Wenn wir zurückblicken, gibt es denn besondere Momente, die in Erinnerung bleiben werden?

[14:44] Tanja Henrichs: Oder gibt es wirklich viele? Das kann ich nicht anders sagen. Also einmal fand ich es ganz toll, was mich wirklich bewegt hat, war in Covidzeiten z.B., wie gerne Kinder zur Schule gekommen sind. Also, es hat mich fast zu Tränen gerührt, wenn Kinder reingekommen sind und wollten auch so gerne z.B. hier, wie man sagt, einen Huggy haben, also gedrückt werden und es ging nicht. Dann haben wir die Variante gefunden: Die Kinder hatten so das Bedürfnis nach Körperkontakt, dass wir uns Rücken an Rücken gestellt haben und den Rücken gerieben haben, um in eine andere Richtung auszuatmen. Das waren einfach schöne kleine Begegnungen, ne?

Oder dass Kinder montags gesagt haben: Yay, heute ist wieder Schule und wir haben die Woche, wo wir dreimal haben und nicht nur zweimal. Das waren Dinge, die waren toll. Oder auch, wenn man zurückgeblickt hat mit Kindern, wenn Kinder die Grundschule verlassen haben und so viele positive Erinnerungen — das sind einfach Sachen, die rühren mich dann fast zu Tränen.

Nochmal ins Ausland? Wohin?

[15:35] Theo: Ja. Haben Sie jetzt vor, nochmal ins Ausland zu gehen erneut oder wollen Sie in Deutschland bleiben?

[15:40] Tanja Henrichs: Ich glaube, ich würde durchaus noch mal ins Ausland gehen, nicht direkt, weil was mich jetzt auch so ein bisschen lockt, sind meine Enkelkinder. Ich habe gerade ein zweites Enkelkind bekommen. Meine Eltern sind sehr, sehr alt. Also insofern ist auch mein Bedürfnis, mich um Familie ein bisschen zu kümmern, schon da. Aber an sich würde ich jederzeit gerne noch mal ins Ausland gehen, weil ich es einfach liebe, in andere Kulturen, in andere Sprachen einzutauchen. Hier hat mir Afrikaans ganz viel Spaß gemacht auf seine Art und Weise. Einiges habe ich dann doch gelernt, vor allen Dingen die Schimpfwörter, wenn ich ehrlich bin, und diese besonderen Kraftausdrücke im Afrikaans.

Und ja, also es würde mir schon wieder Spaß machen. Ich kann nicht noch mal wirklich ins Ausland gehen, weil man einmal als Lehrerin ins Ausland gehen kann und dann noch einmal mit einer Funktionsstelle und das habe ich ausgereizt. Mal schauen, wer weiß, was die Zukunft bringt. Vielleicht geht's doch noch mal. Aber es war auf jeden Fall für mein Leben sehr bereichernd.

[16:43] Theo: Alles klar. Und wenn es möglich wäre, nochmal ins Ausland zu gehen, welche Region?

[16:49] Tanja Henrichs: Ja, ich wollte eigentlich immer nach Südamerika. Südamerika hat mich immer gelockt. Ich habe mich damals viel mit der Politik beschäftigt, mit dem Leben, mit dem, wie die Europäer und die Latinos aufeinander getroffen sind. Ich war immer ein sehr politischer Mensch und das hat mich immer bewegt. Und wenn ich mir heute die Klimakonferenz z.B. in Belem angucke und man sieht, wie wichtig es ist, auch die Rechte der Menschen, die dort in den Regenwäldern z.B. leben, zu schützen. Das wäre auch eine Region, die mich sehr reizen würde.

Abschied & letzte Worte

[17:26] Theo: Ja, bestimmt sehr interessant. War ich auch noch nie. Würde mich auch reizen. Und natürlich jetzt vielen Dank, dass Sie Zeit hatten für uns. War sehr inspirierend und natürlich jetzt auch sehr traurig, dass Sie leider bald zurück nach Deutschland gehen.

[17:39] Tanja Henrichs: Ganz genau. Wir können uns gegenseitig alles Gute wünschen für diesen Schritt, ne? Du hast dich ja auch als Schüler — du bist ja quasi hier groß geworden und hast dann doch den Großteil deines Lebens quasi hier verbracht, oder?

[17:50] Theo: Ja. Stimmt. Mehr als die Hälfte meines Lebens. Ja.

[17:53] Tanja Henrichs: Ja. Also insofern drücke ich dir auch die Daumen und ich hoffe, deine Grundschulzeit war dann auch eine gute.

[17:58] Theo: Ja, die war auch sehr schön.

[18:00] Tanja Henrichs: Ja, und vielen Dank, dass du mir die Gelegenheit gegeben hast oder ihr mir hier nochmal ein Abschiedsstatement zu geben. Ich wünsche der DSJ alles Gute. Ich wünsche, dass sie in eine wirklich tolle Zukunft geht und ich glaube, das Potenzial dafür ist auf jeden Fall da.

[18:14] Theo: Das hoffen wir alle. Also, vielen Dank. Ich hoffe, euch hat das Interview gefallen und ja, bis zum nächsten Mal. Tschüss.

[18:21] Tanja Henrichs: Tschüss. Alles Gute.

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