DSJ Zauber: SegeLn — Selbstgesteuertes Lernen an der DSJ
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Shownotes
Was steckt hinter dem SegeLn-Konzept? Katharina Reichert erklärt das selbstgesteuerte Lernen in Klasse 5 und 6 an der DSJ.
In dieser Episode starten wir unsere neue Serie „DSJ Zauber“, in der wir innovative und besondere Projekte an der Deutschen Internationalen Schule Johannesburg vorstellen. Den Anfang macht das SegeLn — selbstgesteuertes Lernen in den Klassen 5 und 6. Katharina Reichert, Koordinatorin der Orientierungsstufe, erklärt, wie Schüler lernen, ihr eigenes Lernen zu steuern, und warum das so wichtig ist.
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Intro & Einführung in die Serie „DSJ Zauber“
[00:11] Dennis Forbes: Moin moin, Dennis Forbes hier für den Schulcast an der Deutschen Internationalen Schule in Johannesburg. Und in der heutigen Episode geht es um was ganz Besonderes, denn in den nächsten Wochen und Monaten haben wir uns hier vom Schulcast vorgenommen, dass wir unsere wunderbare Schule ein bisschen genauer vorstellen wollen. Und das machen wir, indem wir innovative, besondere Projekte oder Besonderheiten in den Vordergrund stellen wollen.
Den Startschuss machen wir heute mit dem SegeLn. Beim SegeLn geht es um selbstgesteuertes Lernen in den Klassen 5 und 6. Und was es mit dem SegeLn genauer auf sich hat, warum die Lerner von Matrosen zu Kapitänen werden, wohin sich das SegeLn in den nächsten Jahren noch entwickeln soll und warum es so wichtig ist für die Lerner, aber auch für uns Pädagogen — all das erfahrt ihr gleich im Interview mit Katharina Reichert sehr viel genauer. Wie immer — wir freuen uns auf euer Feedback, auf eure Anregungen für kommende Episoden. Und ab jetzt viel Spaß beim Zuhören und hoffentlich bis zum nächsten Mal.
Vorstellung Katharina Reichert
[01:34] Dennis Forbes: Okay. Ich habe hier heute die Gelegenheit vom Schulcast, mit Katharina Reichert zu sprechen. Katharina Reichert hat hier an der Schule ganz, ganz viele Aufgaben, die sie erfüllt. Katharina, magst du dich ganz kurz vorstellen dem Publikum, wer du bist und was du hier an der Schule so Wunderbares machst?
[01:54] Katharina Reichert: Ja, klar. Danke, Dennis. Also, die meisten kennen mich als Frau Reichert — Deutschlehrerin, DaF-Lehrerin, Life-Skills-Lehrerin. Aber ich bin auch für die Orientierungsstufe zuständig, das heißt Klasse 5 und 6. Dort habe ich die Koordination, was bedeutet, dass ich mich dafür einsetze, dass die Kids sich wohlfühlen, wenn sie bei uns ankommen, dass die Orientierungsstufe auch rund läuft und dass es allen gut geht. Ich arbeite auch sehr viel mit den Streitschlichtern zusammen, mit den Mentoren für die fünfte Klasse. Die fallen auch bei mir in den Bereich.
Und ja, wie gesagt, ich unterrichte Deutsch und DaF, Life Skills auch. Das macht mir viel Freude mit meiner Klasse. Ich habe im Moment die Klasse 5B als Klassenleitung — ist eine super Klasse, also die grüße ich jetzt schon mal ganz herzlich.
Ja, und zu mir persönlich vielleicht auch: Ich bin Altschülerin der Schule — interessante Tatsache. Frau McLachlan und Herr Van haben mich unterrichtet. Ist natürlich cool, entlang meiner damaligen Lehrer auch an der Schule arbeiten zu dürfen. Ich selbst reite unheimlich gerne. In meiner Freizeit verbringe ich viel Zeit im Garten, ich lese sehr viel. Und diejenigen, die bei mir im Klassenraum schon mal drin waren, wissen vor allen Dingen, dass Harry Potter mir sehr nah liegt und dass ich die Filme und die Bücher auch sehr gern mag. Aber so viel erstmal zu mir.
Was ist SegeLn? Ursprung und Entwicklung
[03:08] Dennis Forbes: Danke schön, Katharina. Das war mega, mega gut, auch noch mal so ein bisschen zu erfahren, was du neben all dem, was ich so mitkriege im Alltag, noch alles so leistest — und dass da noch Zeit bleibt für ein Privatleben, ist umso schöner. Heute sind wir hier, um gemeinsam über das SegeLn zu sprechen. Und ich würde gerne wissen: Was ist das SegeLn überhaupt und wie ist es dazu gekommen, dass wir das an der Schule durchführen?
[03:35] Katharina Reichert: Das SegeLn ist tatsächlich nicht mein Baby, muss ich ganz ehrlich sagen. Der Gedanke ist entstanden von meiner Vorgängerin, der Frau Bökamp, die kennen manche Leute vielleicht noch. Und es ging darum, dass man einfach überlegt: Was bedeutet selbst lernen? Im Unterricht lernen heißt ja eigentlich, die Lehrer legen fest, was wir in der Stunde machen. Es gibt bestimmte Aufgaben, der Unterricht ist relativ stark geplant, geführt, es gibt bestimmte Zeitvorgaben und am Ende der Stunde wissen wir halt, was wir gelernt haben.
Und beim SegeLn ist es eigentlich fast genau umgekehrt. SegeLn steht übrigens für selbstgesteuertes Lernen. Und das SegeLn ist dazu da, dass die Schüler der Klassenstufen 5 und 6 im deutschen Bereich für sich selbst so ein bisschen steuern können, was sie lernen wollen und wie.
Und das SegeLn hat eigentlich so angefangen vor einigen Jahren, 2021, als ich zurückkam an die DSJ, dass wir die Schüler eigentlich ziemlich wild drauf losgelassen haben, um selbst zu entscheiden, was sie an einem Freitag machen wollten. Und damals war es tatsächlich so, dass wir den ganzen Freitag lang gesegelt haben. Da werden sich unter anderem die neuen Sechstklässler diesen Jahres noch dran erinnern. Wir haben dann echt den ganzen Freitag damit verbracht, mit Mathe und Deutsch — und damals war auch noch Englisch beim SegeLn dabei — und das war anstrengend für die Schüler und für die Lehrer, denn so lange festzulegen, was man selber macht, das ist schon heftig.
Und über die Jahre weg hat sich das Konzept dann ein bisschen mehr entwickelt, ist schülerfreundlicher geworden, aber auch lehrerfreundlicher. Und wir haben festgestellt, dass selbstgesteuert zwar sehr gut ist und dass viele Schüler auch gerne wirklich all ihr Lernen selbst steuern, aber dass es doch größtenteils sehr schwierig ist, wenn man gerade in der fünften oder sechsten Klasse ist, schon für sich selbst zu wissen, wo man Schwierigkeiten hat, was man vielleicht noch verbessern muss.
Und so ist das SegeLn entstanden, wie die meisten von euch es jetzt kennen: Dass man zweimal in der Woche jeweils 80 Minuten hat, in denen gesegelt wird. Das heißt: Stillarbeit, Freiarbeit, festgelegte Aufgaben, Angebote für Deutsch und Mathe, wo Schüler aussuchen können, was sie jetzt gerade bearbeiten wollen.
Westermann-Diagnose und individuelle Fördermappen
[05:37] Katharina Reichert: Und seit den letzten zwei Jahren, unter der Leitung von Frau Mechak, machen wir auch diese Westermann-Diagnose, die wirklich dazu beiträgt, dass wir als Lehrer einmal sehen können, wo die Schüler stehen — über den Unterricht hinweg und über das, was man gerade so behandelt, sondern wirklich im Allgemeinen in Deutsch und Mathe. Aber dass die Schüler auch für sich selbst Feedback haben, was sie schon richtig gut können und wo sie noch mal nachbessern müssen.
Und auch die Eltern kriegen Zugriff auf dieses Feedback. Denn auch die Eltern können sich in diese Plattform einloggen und einmal sehen, welche Informationen über die Schüler da verfügbar sind. Und das ist schon hilfreich. Da entstehen Fördermappen, die individuell auf die Schüler abgestimmt sind und mit denen die Schüler dann jedes halbe Jahr wieder neu beginnen.
Und wir sehen auch wirklich als Lehrkräfte in der Klasse 5 und 6 enorme Fortschritte. Also, da muss ich die Kids echt loben und auch sagen: Unsere Segler in den Klassen 5 und 6 sind super. Die arbeiten wirklich konzentriert 40 Minuten an ihren Fördermappen oder an Aufgaben, an Hausaufgaben, an Testvorbereitungen für Deutsch. Und in der Freiarbeit, das sind dann die zweiten 40 Minuten, können sie dann auch Lernspiele machen, können lesen, können natürlich auch die Arbeit weiter bearbeiten. Und wir als Fachlehrer in Klasse 5 und 6 sehen wirklich enorme Fortschritte bei unseren Kids.
Das heißt, Dinge, die am Jahresanfang vielleicht noch schwierig waren, sind zum Halbjahr schon viel besser. Und zum Ende des Jahres sind die Kids auch wirklich stolz drauf, wenn wir dann noch mal die Nachtestungen machen, zu zeigen, dass sie sich enorm verbessert haben. Das ist so eigentlich, worum es im SegeLn geht.
Warum ist selbstgesteuertes Lernen wichtig?
[07:03] Dennis Forbes: Cool. Magst du noch mal deutlich machen, warum uns als Schule — oder auch dir als Mitverantwortliche für das SegeLn — das so wichtig ist, dass die Kids das lernen?
[07:18] Katharina Reichert: Ja, das Lernen lernen ist eben das Schwierige. Ich denke, man geht durch die Schule durch und vor allen Dingen wir jetzt als Erwachsene haben halt unsere Schullaufbahn so durchgemacht, dass uns eigentlich vorgeschrieben wurde, was wir wann zu lernen haben und wie — aber selbst lernen lernen haben wir eigentlich nicht gelernt.
Und das wird eben immer wichtiger. Das ist so ein Teil dieser Soft Skills, die man heutzutage wirklich braucht: Dass man sich selbst dessen bewusst ist, was man gut kann und was man noch nicht so gut kann. Dass man für sich einschätzen kann: Was ist jetzt aber auch im Moment wichtig? Welche Fähigkeiten brauche ich jetzt tatsächlich? Welche muss ich jetzt noch nicht verbessern? Und dass die Schüler so auch Herrschaft über ihren Lernprozess übernehmen.
Das macht auch das Lernen zu Hause so ein bisschen einfacher, wenn man selber weiß: Da habe ich noch Schwierigkeiten, so gehe ich mit meiner Zeit jetzt um. Denn im SegeLn lernt man auch die Zeiteinteilung. Wenn ich zurückdenke an unsere Kindertage, Dennis — dann war es sicher bei uns beiden gleich: Deutschtest, Mathetest — ja, okay, dann sitzt man da und man weiß eigentlich nicht, wo man anfangen soll und wo man aufhört. Und so hilft das SegeLn eben dabei, dass Schüler einfach gezielter daran arbeiten können, wo Stärken und Schwächen sind.
Und auch von anderen Lehrern bekommen wir ganz oft Feedback, dass vor allen Dingen Dinge wie Gruppenarbeit, Teamarbeit, Stationsarbeit einfach viel leichter von der Hand gehen, weil man diese Grundfertigkeiten gelernt hat und weil man einfach auch weiß, was man mit sich selbst machen muss. Es gibt Schüler, die unheimlich stark sind und die das von Anfang an können, aber die meisten von uns, ganz ehrlich, müssen erstmal lernen, wie geht man damit um, dass ich jetzt diesen Freiraum habe, dass mir keiner direkt immer hinter mir steht und sagt: „So, jetzt musst du das machen“ — sondern dass ich mich selbst einfach mal organisieren muss.
Und wenn man es eben nicht von klein auf lernt — wann lernt man das dann? Irgendwann braucht man die Selbstorganisation, und darum geht es uns eigentlich.
Zukunftsvision: Digitalisierung und ISEC-Zweig
[09:10] Dennis Forbes: Cool. Okay. Ja, super. Wenn du so das SegeLn ein bisschen weiter denkst — wo siehst du oder wie siehst du das SegeLn in fünf Jahren bei uns an der Schule?
[09:19] Katharina Reichert: Mein Traum — oder zwei Träume, die ich habe: Einmal, dass wir die Digitalisierung stärker einbauen können. Das heißt, dass es wirklich nicht nur um Arbeitsblätter, um Arbeitsheftchen geht, sondern dass wir wirklich groß träumen. Die Schüler sind jetzt ausgestattet mit Tablets, mit Laptops, dass die Kids wirklich einfach sehr viel weitergehend arbeiten können. Dass wir diese ganzen tollen Lern-Apps, die es da draußen im Internet gibt, auch nutzen können. Dass wir die Möglichkeit haben, das Angebot noch viel breiter zu machen, aber trotzdem immer noch die Möglichkeit bieten, dass man an seinen Schwächen und seinen Stärken arbeiten kann. Also, die Digitalisierung ist für mich ein großer Traum.
Und das andere ist, dass ich das tatsächlich gerne auch in den ISEC-Zweig ausbreiten würde — dass auch dort gemeinsam gesegelt werden kann. Für mich wäre eine utopisch wunderbare Welt, wo Schüler der 5A und der 6A mit Schülern aus der 6B und der 5B zusammensitzen und gemeinsam Deutsch und Mathe besprechen, gemeinsam Grammatik pauken, gemeinsam überlegen: „Wie habe ich das jetzt in DaF gelernt? Ach, jetzt macht mir der Akkusativ Sinn.“ Oder: „Wie machen wir diese Matheaufgabe auf Englisch? Ach, das ist ja ganz anders als in Deutsch.“ Und dass da so ein bisschen übergreifend gearbeitet werden kann. Das sind so die Entwicklungsziele, die ich für mich persönlich habe.
[10:32] Dennis Forbes: Ich kann mir das voll gut vorstellen, dass gerade meine Kids aus dem DaF-Bereich noch mal Grammatik anders lernen und vielleicht manchmal auch begrifflich mit den Begrifflichkeiten stärker sind als die DuMu-Kids, für die oftmals dann Grammatik noch intuitiv — nicht für alle, aber für viele intuitiv — funktioniert. Und unsere Lerner lernen das dann manchmal noch ein bisschen systematischer in der 6A oder in der 5A. Und ich glaube, da gibt es auf jeden Fall große Synergieeffekte oder Möglichkeiten für Synergieeffekte.
Wir machen ja in der 6A auch dieses Lernbüro, das ein verwandtes Konzept ist. Genau darüber werden wir uns sicher auch noch mal austauschen dann in den nächsten Wochen und Monaten, dass wir das ein bisschen enger miteinander verzahnen. Weil ich teile deine beiden Visionen oder deine beiden Zukunftsszenarien sehr. Digitalisierung und das Zusammenwachsen als One School auch in dieser Hinsicht wäre super.
Lehrer als Lernbegleiter
[11:29] Dennis Forbes: Vielen, vielen Dank, Katharina, dass du dir die Zeit genommen hast, dass wir ein bisschen mehr über das SegeLn erfahren konnten. Ich finde es ein mega, mega spannendes und wichtiges Projekt. Die Kids lernen da so viel. Und manchmal ist es für Lernende gar nicht so leicht — oder für Lehrende gar nicht so leicht auszuhalten — auch mal Lernbegleiter zu sein. Aber ich glaube, diese Rolle wird uns immer mehr auch als Teil dieser Lehrerrolle näherkommen und an Bedeutung einnehmen. Und deswegen ist es auch für mich immer wieder spannend, diese beratende Rolle einzunehmen und das noch mal anders zu sehen. Und auch mit Kids arbeiten, die ich sonst im Unterricht nicht habe, ist natürlich auch cool.
Schüler als Experten & Rollenwechsel
[12:06] Katharina Reichert: Ja, danke dir, Dennis. Ich finde es super, dabei zu sein. Und ich will nur auf das Letzte zurückgreifen, was du gesagt hast: Eben dieses Lernbegleiten — für Lehrer ist das auch noch mal eine ganz andere Welt, glaube ich. Und ich meine, die Kids, die mich kennen, wissen: Meine mathematischen Fähigkeiten sind extrem begrenzt. Aber auch ich muss jetzt Mathe machen und mit Mathe helfen. Und wir als Lehrer lernen auch unheimlich viel durchs SegeLn.
[12:27] Dennis Forbes: Ja, genau. Ich habe meine kleine Fiona, die ich nur Professorin nenne, weil immer wenn es um Mathe-Geschichten geht, dann hoffe ich, dass Fiona in meinem Raum ist und dass sie erklären kann. Also genau, ich mag das sehr, sehr gerne, dass die Schüler in die Rolle auch von Experten gerückt werden und mich dann für einen Augenblick seltsam angucken: „Aber du bist doch da zum Erklären.“ — „Nein, das kannst du gerade besser. Fiona, bitte übernimm das.“
[12:55] Katharina Reichert: Ja, ich bin dabei. Aber ich traue dir zu, dass du das schaffst. Und es gibt den Kids einfach auch immer so einen Selbstwertschub und zeigt irgendwie den Rollenwechsel, den wir da vornehmen im SegeLn.
[13:06] Dennis Forbes: Cool. Okay, also vielen, vielen Dank für deine Zeit und alles, alles Gute. Und ein schönes Wochenende, Katharina.
[13:11] Katharina Reichert: Danke, du auch.